Umbau statt Neubau – Für den Erhalt des Park-Hotels

10. Dezember 2012 | von Kamran Salimi | Kategorie: Allgemein

Umbau statt Neubau – Für den Erhalt des Park-Hotels

Gänsberg, Fischhäusla, Cafe Fürst, Sahlmannvilla, Geismannbrauerei, das alte Krankenhaus und all die Gebäude an der Freiheit und in der Bahnhofstraße, die dem Quelle-Klotz weichen mußten. Fürth bräuchte keine gemeinsame Bewerbung mit Halberstadt als UNESCO-Welterbe, hätte man diese und viele weitere Gebäude nicht abgerissen. Es hätte auch für sich allein betrachtet alles Nötige zu bieten gehabt. Heute ist die Denkmalstadt Fürth zum Großteil nur noch in Fotobildbänden und als kollektive Erinnerung vorhanden. Weiterer Abriss wertvoller Bausubstanz trifft die Stadt mittlerweile ins Mark. Das Park-Hotel mit Festsaal ist in seinem Bauvolumen und seiner Präsenz noch immer ein einzigartiges, hervorragend erhaltenes Gebäude. Der Verein „Wir sind Fürth“ sagt: Nein zum Abriss des Park-Hotels!

Gesichtslose Durchschnittsarchitektur ohne nennenswerte Bildqualität

Der Investor MIB hat einen Entwurf vorgelegt, der laut Masterplaner James Craven „die Erwartungen voll und ganz erfüllt“. Dem widersprechen wir energisch – und stehen damit nicht allein. Zwar stimmten bei einer Befragung der Fürther Nachrichten 39 % mit einem „gefällt mir“, aber die restlichen 60 % waren entweder unzufrieden, oder fanden den Entwurf lediglich passabel im Sinne von „wir können damit leben“. Begeisterung, die nötig wäre, ein solch gravierende Operation am offenen Herzen der Stadt vorzunehmen, sollte anders klingen!

Moderne Architektur vs. Erhalt

Der vorgesehene „Ersatzbau“ geriert sich als Kopie eines großartigen Originals – das immer noch vorhanden ist! Er wird uns als Reminiszenz an (einst) vorhandene Architektur (Ludwigsbahnhof) verkauft, die für keinen Fürther nachvollziehbar ist. Die Situation ist absurd: Man will das Original abreissen, um ihm mit einer billigen Kopie die Ehre zu erweisen!

Architektur und Stadtplanung als ein Stück Heimat

Mit der Zeit entstandene, gleichsam organisch gewachsene Orte stiften Identität. Das Park-Hotel steht an der Freiheit seit 1888 als „erstes Haus am Platz“. Es ist ein repräsentatives und stolzes Gebäude, mit dem Fürth auf zahllosen Postkarten, in Bildbänden und Werbebroschüren für sich Werbung macht. Es stellt einen substantiellen, visuellen Eckpfeiler der Stadt dar. Plötzlich soll es nicht mehr erhaltenswert und bloß ein weiteres Gebäude sein, auf das Fürth verzichten kann? Nicht der Eintrag in einer Behördenliste machen den Wert eines Gebäudes aus. Wir sagen: Nein zum Abriss! Fürth braucht endlich eine Stadtplanung, die neben kommerziellen Erwägungen auch den emotionalen Wert, den die Stadt für ihre Bewohner hat, berücksichtigt. Unsere Heimat muß wiedererkennbar bleiben, wir wollen uns in unserer Stadt wohlfühlen können.

Architektur geht uns alle an!

Als von Architektur unmittelbar Betroffene, erwarten wir Bürger von einem innovativen Architektenbüro einen nachhaltigen und sensiblen Umgang mit unserem baulichen Erbe. Die in der Substanz dieses Gebäudes gespeicherten ästhetischen, kulturellen und historischen Energien müssen eine Wertschätzung erfahren. Die Erbauer des Park-Hotels schufen ein repräsentatives Haus von hohem visuellen und handwerklichen Wert. Mit der heute so vielfach beschworenen Nachhaltigkeit und einem in die Zukunft projizierten Stadt- Gedächtnis hat der geplante Neubau nichts zu tun.

Die nächsten Schritte

Bei der Präsentation der überarbeiteten Entwürfe im Bau- und Werksausschuss am 26. November 2012 hat sich unser Verein klar gegen den vorliegenden Entwurf und für eine Einbeziehung des Park-Hotels ausgesprochen. Ein zeitnah anvisiertes Gespräch mit MIB steht noch aus. Hiermit präsentieren wir der Öffentlichkeit „unsere Vision“ der Neuen Mitte. In der Visualisierung ist hier die unter dem Putz erhaltene Fassade des Park-Hotels dargestellt. Mit einer das bauliche Umfeld berücksichtigenden Präsentation hat MIB den Zuschlag für das Projekt Neue Mitte II bekommen und großen gesellschaftlichen Konsens erzielt. Wir sprechen uns hiermit für den Erhalt des Park-Hotels aus und fordern MIB auf, zur Architektur- Sprache ihrer ursprünglichen Planung zurückzukehren.

 

Fürth, den 06. Dezember 2012

Wir sind Fürth e.V.

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Kommentare (4)

4 Kommentare:

  1. marion eckart schreibt:

    Leider erkennen wir den Wert mancher Gebäude erst wenn es weg ist, schade. 🙁

  2. Guenter.Dietlein schreibt:

    Ich bin dafür das man Saniert wie es auch andere Städte machen,und nicht alles abreißen wie die es im Rathaus gerne machen.Man hat vor langer Zeit den Geismannsaal,Gonsberch usw.abgerissen,und was haben sie hingebaut,eine Betonschrott der jetzt so gut wie PLEITE ist.Das ist nicht Richtig allen durch Beton zu ersetzen.Fürth kann Modern sein ohne alles alte zu Zerstören.

  3. h.j.herrmann schreibt:

    herr dietlein hat vollkommen recht,man wird unser geliebtes fürth nach der vorgesehenen brachialkur nicht wiedererkennen!der wahnsinn muss mit allen legalen mitteln verhindert werden!
    in zwanzig jahren haben wir dann einen verkaufsflächenleerstand von 60000 qm.
    die jetzigen 30000qm leerstand gehören aufgemöbelt!

  4. Guenter.Dietlein schreibt:

    Man sieht es doch schon mal wieder Parkhotel.Warum hat man die Fürther nicht mal informiert,das ein großer historischer Saal da ist,da hätte es viel mehr Protest gegeben.Aber das sind halt alle bisherigen OB und Stadträte,sie möchten gerne was von ihrer Regierungszeit hinterlassen,aber es ist halt nur Schrott,was sie stehen lassen.Und ehrlich gesagt,wenn ich in Urlaub bin und werde gefragt wo ich herkomme sage ich immer aus Nürnberg,weil wenn du sagst aus Fürth muß man sich ja langsam schämen.Obwohl och am alten Gonsberch geboren,und aufgewachsen bin.Denn alle haben seit meiner Kinderzeit nur zerstört,aber nichts schönes hinterlassen.Aber es ist halt die Politik lehre Versprechungen.Weil sie halt alle nur Dummschwätzer sind.Man müßte alles uber Volksabstimmungen machen ,abersie wissen schon das sie dann nicht mehr bestimmen können wie sie wollen.
    Fürth stirbt ,genau wie wir alten Fürther,und das ist eine Schande für alle Fürther Politiker und Städteplaner.Die sollten sich alle Schämen,weil sonst haben wir in Fürth ,ein 2.Langwasserzentrum.!!!

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