Wir sind Fürth e. V. Stellungnahme: Präsentation von P&P zur Revitalisierung des City-Centers

16. Januar 2018 | von Kamran Salimi | Kategorie: Allgemein

Schwabacher Straße 5 & 5a – Eingang zum ehem. City-Center

Nun liegen die Pläne von P&P für die Revitalisierung des City-Centers auf dem Tisch. Am 17. Januar werden sie den Stadträten im Bau- und Werkausschuss vorgestellt.

Nach den Erfahrungen mit der Neuen Mitte wäre ein entwickeltes Problembewusstsein bei den Verantwortlichen auf Seiten der Stadt zu erwarten gewesen. Die Freude, dass sich P&P des Problemkindes annimmt, scheint jedoch ganz offensichtlich alle Vorsicht und jeden Weitblick zu erübrigen. Anders ist nicht zu erklären, dass die Zeichen bei der „Flair Galerie Fürth“ auf eine geschlossene Mall mit rund 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche hindeuten. Die vorgelegten Pläne zeigen ein autarkes Center, das sich durch den Wegfall von Zugängen noch stärker als das alte von seiner Umgebung abschottet. Vorne rein, hinten raus und der Einzelhandel außen herum schaut in die Röhre. Das Prinzip der Gewinnmaximierung des Investors, auf Kosten der restlichen Innenstadt, hat sich offensichtlich durchgesetzt.

Hat die Stadt aus den Diskussionen um Sonae Sierra wirklich nichts gelernt? Der Eindruck drängt sich auf, dass Fürth wieder einmal nur tatenlos zuschaut, wie ein Investor plant. Hat man seine Lektion noch immer nicht gelernt? Wir vermissen die entscheidende Frage: Wie viel zusätzliche Einzelhandelsfläche braucht Fürth tatsächlich noch? Oder anders gefragt: Wie viel Fläche verkraftet Fürth noch? Eine Frage, die durchaus legitim ist – wie man am Beispiel der Stadt Nürnberg sehr gut sehen kann. Trotz der Bestrebungen des Investors beschränkt die Stadt bewusst die Verkaufsfläche im ehem. Quelleversandhaus an der Fürther Straße auf 14.000 Quadratmeter statt der gewünschten 40.000 Quadratmeter – eben zum Schutz des Innenstadthandels. Unter den Vorzeichen des boomenden Internet-Handels verschärft sich zusätzlich die Problematik. Was nutzt am Ende ein vermeintlich gut laufendes Einkaufszentrum in der Fürther Innenstadt, wenn im Anschluss die Fußgängerzone abgehängt wird und mit Leerstand „glänzt“? Die von P&P geleistete Generalüberholung bedarf deshalb auf verschiedenen Ebenen der kommunalen Regie und Moderation.

Allein rund 3.000 Quadratmeter (das ist die doppelte Fläche der ehemaligen Grünen Halle) entfallen auf Gastronomie. Bereits jetzt ist in der Fußgängerzone schon zu beobachten, dass fast jeder geschlossene Einzelhandelsladen durch Gastronomie ersetzt wird. Hier wäre deshalb zu prüfen, wie sich diese Größenordnung mit den Plänen für den neuen, unweit gelegenen Wochenmarkt vertragen, der ja ebenfalls einen starken gastronomischen Akzent erhalten soll. Kann in Fürth grenzen- und pausenlos schnabuliert werden?

Wir sind Fürth e. V. bringt seine Bestürzung darüber zum Ausdruck, dass zwei historische Gebäude aus dem Jahr 1798 in der Schwabacher Straße der Neugestaltung der Eingangssituation zum Opfer fallen sollen. Alle drei Entwurfsvarianten zerstören die Einheitlichkeit der Häuserzeile zwischen Schirm- und Alexanderstraße. Mögen die Häuser als einzelne eher bescheiden sein, so gewinnen sie zusammen jene Qualität, die der Denkmalschutz mit dem Begriff des Ensembles kennzeichnet. Die Fränkischen Provinzial-Blätter wussten, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, als sie 1802 über die betreffenden Häuser schrieben: „Sie stehen in einer Linie, haben alle einerley Höhe, drey Stockwerke, einerley Fenster und Dächer, und scheinen ein einziges Ganzes auszumachen. Man glaubt, von einem gewissen Standpunkte aus, ein prächtiges Schloß zu sehen.“

Hatte der alte City-Center-Eingang dieses Ensemble zumindest in den Obergeschossen unangetastet gelassen, so reißen die P&P-Entwürfe eine marktschreierische Lücke in den Straßenzug, der die Schwabacher Straße kurz vor dem Kohlenmarkt entwertet. Wir sind Fürth e. V.  fordert deshalb den Erhalt der historischen Fassaden. Den Niedergang des alten Centers mit der Unauffälligkeit der Zugänge erklären zu wollen, greift unseres Erachtens zu kurz. Man zeige uns die Fürther, die den Weg ins City-Center nicht gefunden hätten!

Deshalb fordert Wir sind Fürth e. V.

Dr. Thomas Heyden
1. Vorstand Wir sind Fürth e. V.

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