Stellungnahme zum Verkauf der Neuen Mitte

5. Mai 2016 | von Kamran Salimi | Kategorie: Allgemein

Dass sich MIB so schnell von der „Neuen Mitte“ trennen würde, überrascht selbst jene, die von Anfang an vor allzu großer Blauäugigkeit im Umgang mit Investoren gewarnt hatten. Niemand hatte den Nachruf auf MIB in der Schublade. Was bleibt, sind Fragen, die sich jedoch eher an die Verantwortlichen auf Seiten der Stadt als an MIB richten. Denn Wolfgang Händel von den Fürther Nachrichten ist beizupflichten, wenn er nüchtern konstatiert: „Im Immobiliengeschäft geht es im Endeffekt nur ums Geld und die Rendite …“. Für das Wohl einer Großstadt zuständig zu sein, setzt voraus, um diesen simplen Sachverhalt zu wissen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen – vor allem dann, wenn es um richtig viel Geld geht.

Alles begann mit dem Zuschlag für MIB im Investorenauswahlverfahren. Hier sei daran erinnert, dass bei der Bewertung der konkurrierenden Firmen die Frage des zukünftigen Betriebs mit 20 % zu Buche schlug. Die Behauptung, die „Neue Mitte“ selbst betreiben zu wollen, trug also nicht unwesentlich zum Zuschlag für MIB bei.

Deshalb wäre es mehr als verwunderlich, wenn keine entsprechende Regelung Eingang gefunden hätte in den Vertrag, den die Stadt mit MIB geschlossen hat. Welcher Mindestzeitraum eines Betriebs durch den Errichter vereinbart wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Länger als ein halbes Jahr dürfte er jedoch gewiss sein. Warum entlässt die Stadt den Investor vorzeitig aus seiner Verpflichtung? Ohne die Stadt geht gar nichts, denn jede Weiterveräußerung bedarf der Zustimmung der Stadt. So hätte die Stadt doch wenigstens darauf pochen können, dass das vertragliche Minimum eingehalten wird.

Rund 20 Millionen hat der Verkauf nach einer Schätzung der Fürther Nachrichten MIB an Gewinn eingebracht. Die Fürther hatten die Kosten, den Profit stecken andere ein. Wohlgemerkt zum Selbstkostenpreis hatte die Kommune die Grundstücke für die „Neue Mitte“ an MIB abgegeben. Schließlich war man doch so dankbar, dass sich endlich ein kompetenter Partner zur Lösung der Einkaufsstadtmisere gefunden hatte. Den wollte man nicht gleich zur Kasse bitten. Ganz im Gegenteil: Bei der Stellplatzablöse rechnete man so lange, bis man MIB knapp 900.000 Euro zukommen lassen konnte. Noch einmal ca. 700.000 Euro waren fällig, als auf dem Wölfel-Areal Öltanks beseitigt werden mussten. Das Risiko, das sich mit solchen Altlasten verbindet, hatte natürlich der Steuerzahler zu tragen. „Gekauft wie gesehen“ galt in diesem Falle leider nicht.

Doch damit nicht genug, denn schließlich konnte man MIB auch dabei behilflich sein, die Laden- und Büroflächen mit Mietern zu füllen. Die vom Oberbürgermeister geleitete Lebenshilfe vermied einen peinlichen Leerstand in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Doch der größte Coup sollte erst noch kommen. Denn das gläserne Obergeschoss des turmartigen Eckbaus an der Ecke Friedrich- und Rudolf-Breitscheid-Straße suchte ebenfalls noch nach einer Nutzung. Eine Filiale der Stadtbücherei durfte die sogenannte Hohe Mitte beziehen, was den Einbau einer 250.000 Euro teueren Klimaanlage notwendig machte. Selbstverständlich kam dafür der Mieter auf: die Stadt Fürth, die in ihrer ganzen Begeisterung über die Stadtkrone auch gleich einen Mietvertrag über 20 Jahre schloss. Und für die Terrasse, von der man aus einen Blick auf den nie in Betrieb genommenen Swimming Pool des Fitnessstudios hätte werfen können, flossen noch einmal Gelder in Höhe von einer halben Million – die Hälfte davon aus einer privaten Stiftung. Geld, das für andere Zwecke sicherlich besser angelegt gewesen wäre.

Und das Ende der Geschichte, die so hoffungsvoll begonnen hatte? MIB schöpft den Gewinn ab, und die Fürther schauen in die Röhre. Über eine Million Grunderwerbsteuer falle an, so tröstet sich die Kommune. Doch unter dem Strich bleibt ein sattes Minus. Mit „Wehmut“, so Uwe Laule von MIB, verlässt der Investor vorzeitig die Stadt. Verständlich, denn wo anders empfängt man MIB mit ebenso offenem Herzen und offenem Geldbeutel?!

Der neue Investor kann mit Geld besonders gut umgehen. Deka weiß in Zeiten der aktuellen Niedrigzinspolitik der EZB Betongold gewiss besonders zu schätzen. Die Zukunft wird zeigen, ob der Jubel über die Seriosität des neuen Betreibers angebracht war. Bleibt zu hoffen, dass sich Geschichte nicht wiederholt, schließlich steht in Steinwurfnähe das marode City-Center als Mahnung. „Wir sind Fürth“ wird den Prozess weiter kritisch begleiten.

Wir sind Fürth e.V.
Thomas Heyden
Vorstand

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